Forschen liegt uns nicht

Sich im Wettbewerb zu messen ist längst nicht nur eine Domäne des Sports und einzelner Athleten. Unternehmen, Universitäten und letztendlich auch Staaten stehen immer wieder im „Benchmarking“ mit ihren Mittbewerben und auch „Bildung“ muss sich einem Vergleich stellen.

Das Ziel liegt auf der Hand: es geht darum, sich bei guten Leistungen lobend auf die Schulter zu klopfen, den Finger auf Defizite zu legen und korrigierend einzugreifen. Ein Feld, das daher einem regelmäßigen Check unterliegt, sind zum Beispiel auch die Leistungen der heimischen Schüler. Sie werden unter die Lupe genommen und mit anderen Ländern verglichen, nicht zuletzt um herauszufinden, an welchen Stellschrauben die Politiker drehen müssen, damit wir in Sachen Bildung zu Europas Besten aufschließen.

Insgesamt hat sich Österreich bislang nie als Musterschüler bei PISA geoutet, wie die vergleichsweise vielen Risikoschüler und wenige Spitzenschüler zeigen. Das allein müsste schon nachdenklich stimmen und wird durch die Tatsache nicht besser, dass unser Bildungssystem über die letzten 15 Jahre aus den Ergebnissen offensichtlich wenig dazu gelernt hat. Die Schuld dafür ist nicht allein im Migrationshintergrund von etwa 20% der Schüler zu sehen, denn würde man diese Gruppe ausblenden, wäre Österreich im Ranking nicht viel besser.

Im Bereich der Naturwissenschaften liegt Österreich mit 495 Punkten knapp über dem OECD-Schnitt von 493. Weit vorne liegen Länder wie Japan, Estland oder Finnland. Der Anteil der Risikoschüler liegt bei 21 % und ist ebenfalls gleich groß wie im Durchschnitt. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Motivation über Naturwissenschaft zu lernen hierzulande nicht besonders ausgeprägt ist. Hand in Hand damit geht die Einschätzung der Jugend, dass Naturwissenschaften für ihre persönliche Zukunft keinen höheren Stellenwert bekommen. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist gering. Der selbstständig forschenden Arbeit wird im Unterricht weniger Raum gewidmet als dem lehrergesteuerten Unterricht.

Für einen international einheitlichen Ablauf sorgt dabei die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie organisiert seit dem Jahr 2000 die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment), in der die Leistungen von 15- und 16-jährigen Schüler erhoben und international verglichen wird. Alle drei Jahre stehen hier die Kenntnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften auf dem Prüfstand. Weltweit waren 72 Länder an der letzten PISA-Studie beteiligt, allein rund 7000 Schüler stellten ihr Können in heimischen Schulen unter Beweis. Die Ergebnisse aus der Studie dienen als Grundlage von schulpolitischen Entscheidungen sowie zur Einschätzung von Stärken und Schwächen der Bildungssysteme.
In Österreich ist für die nationale Umsetzung das BIFIE, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens, zuständig und sorgt für regelmäßige Erkenntnisse über die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bildungssystems. Insgesamt nehmen mehr als eine halbe Million Schüler am Ende ihrer Pflichtschulzeit an PISA teil. Dabei müssen sie nicht nur ihr Faktenwissen unter Beweis stellen sondern auch zeigen, ob sie dieses schulische Wissen in alltagsnahen Fragestellungen anwenden können.

Neben Naturwissenschaft, Lesen und Mathematik wurde bei PISA 2015 erstmals auch das so genannte „kollaborative Problemlösen“ erhoben, also die Fähigkeit, Probleme im Team zu lösen. Die Ergebnisse dazu sind werden im Laufe des Jahres 2017 von der OECD veröffentlicht. Der Feldtest zu PISA 2018, bei dem sämtliche Abläufe, Testaufgaben und Fragebögen erprobt werden, findet in Österreich im Frühjahr 2017 statt.

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